16. Mai 2005

Liebe Cruisaiders Freunde,

entschuldigt bitte daß wir so lange keine Neuigketen auf die Homepage gestellt haben. Wir leben noch (alle), haben aber (wie fast immer) viel zu viel zu tun. Deshalb heute ein kurzes Update mit einer Erklärung Und dann folgt hoffentlich bald wieder eine regelmäßige Aktualisierung der Webseite.
Die letzten vier bis fünf Wochen war ich (Klaus) alleine im Büro. Prob und Dao waren natürlich da und haben mir bei unseren Fahrten in die Provinz und den thailändischen Belangen geholfen. Sie schreiben aber leider weder Englisch noch Deutsch.
Simone ging vor ungefähr fünf Wochen nach Fidschi um dort Ihre persönlichen Angelegenheiten zu regeln. Sie kam am 14. Mai zurück mit einem Sack voller Neuigkeiten. Vor allem die Rivermount Schule in Australien scheint sich sehr stark in "unserer" Schule in Ban Bang Muang zu engagieren. Das wird den dortigen Kindern und Lehrern sehr viel helfen. Denn Rivermount ist eines der renomiertesten australischen Colleges.
Im Zusammenhang mit Schulen noch kurz: Direktor und der gesamte Lehrkörper der Schule in Baan Nam Kem wurden ausgewechselt. Die Kinder dort wurden sehr schlecht behandelt (in Thailand fast unmöglich) und die Zusammenarbeit mit dem Schulpersonal existierte so gut wie nicht. Sieht so aus als hätten unsere Proteste doch geholfen. Wir hoffen jetzt daß die Zusammenarbeit mit dem neuen Personal besser klappt.
Detlev war fast vier Wochen weg. Er wollte im Januar schon seinen Tauchlehrer machen. Hatte das aber zugunsten der Tsunamihilfe verschoben. Jetzt hat er das nachgeholt und seine Prüfung mit Auszeichnung bestanden. Im Anschluß an den Kurs hat er noch einen Lehrgang in Kompressorreparatur
und -wartung bei Dani Boerlin absolviert. Auch er ist zurück so daß Crusaiders Phuket fast wieder auf Sollstärke ist.
Michael ist noch bis mindestens Ende Mai in Deutschland und kommt dann hoffentlich bald wieder vorbei damit wir ihn mit unseren technischen Problemchen belästigen können.
Zu Dao: es geht ihr ganz gut. Sie muß sich aber irgendwann im Sommer ein künstliches Trommelfell ins linke Ohr setzen lassen. Das Original wurde bei ihrem Tsunamitauchgang perforiert und das Loch heilt nicht zu. Wird wahrscheinlich im Juli oder August stattfinden und ziemlich teuer werden.
Zu Prob und mir: Wir haben eine schlechte Woche hinter uns. Am Freitag vor einer Woche entdeckten wir abends einen Knoten in Probs Brust. Diese Nacht haben wir ziemlich schlecht geschlafen. Das heißt Prob gar nicht und ich nicht sehr viel mehr. Nächsten Morgen ab ins Krankenhaus. Mittags wurde die Geschwulst dann ambulant entfernt. Danach waren wir etwas erleichtert. Das entfernte Gewebe sah nach meinem (geringen) Stand des Wissens nicht karzinom aus, eher wie verhärtetes Bindegewebe. Der Chirurg hielt es auch nicht für bösartig. Aber wir waren doch recht unruhig bis wir gestern den Befund "gutartig" bekamen. Letzte Nacht haben wir dann wieder richtig gut geschlafen!
Meine Schulter habe ich wohl seit dem 26. Dezember etwas vernachlässigt. Zur Strafe ist sie ziemlich steif geworden. Das versuche ich jetzt mit zweimal Physiotherapie pro Woche und durch Einhalten der täglichen Gymastik rückgängig zu machen. Eine im April zu Gast weilende Physiotherapeutin hat mir während ihres Urlaubs hier deswegen die Ohren langgezogen und mit der Behandlung angefangen. Etwas schmerzhaft das Ganze und sehr lästig. Aber ich will den Arm ja mal wieder richtig gebrauchen.
Ungefähr um den 10. Juni werde ich mit Prob und unserem Enkel für eine Woche nach Deutschland gehen. Anschließend für zwei Wochen nach Spanien um an einer Fernsehroduktion über Kraken mitzuarbeiten. Das ist ja mein Spezialgebiet. Danach acht bis zehn Tage auf ein Forschungsschiff im Mittelmeer und danach werde ich mich in Hamburg an den Augen operieren lassen. So gegen den 20. Juli kommen wir dann nach Thailand zurück. Wahrscheinlich werden mich Simone und Detlev sehr vermissen. Nicht wegen meiner Schönheit sondern weil sie dann meine Arbeit mitmachen müssen!

Soviel zu personellen Lage, weiter zu den laufenden Projekten:
In der ersten Maiwoche war Abgabetermin bei der Steuerbehörde für alle Unterlagen betreffs Tsunamihilfe. Nachdem Buchhaltung ja bekannterweise zu meinen bevorzugten Tätigkeiten gehört (und niemand da war auf den ich das hätte abwälzen können!) habe ich ein paar lange Nächte gehabt um alles auf den neuesten Stand zu bringen. Der Gang nach Canossa war dann halb so schlimm. Keine Meckerei von Seiten der Steuer, im Gegenteil. Man war mit der Dokumentation sehr zufrieden. Offensichtlich will die Steuerbehörde den Voluntären auch keine Steine in den Weg legen. Sie haben uns noch ein paar Tipps gegeben und zum Abschied bedankte sich der Chef noch mit den Worten: Danke daß Sie unseren Leuten so viel helfen! War das erste Mal daß ich auf einem Steueramt das Wort Danke hörte!
Wir haben Anfang Mai die letzen Boote für den schwedischen König ausgeliefert, die Datenbank von Fehlern bereinigt und die ganze Bürokratie für diesen Vorgang abgeschlossen. Detlev hat noch eine schöne CD dazu gebrannt mit Daten, Bildern und einem Fiolmchen. Und wenn ich denn in ein paar Tagen die ganzen Formulare für die Schweden gescannt und archiviert habe (meine Festplatten platzen aus allen Nähten) dann ist dieses Kapitel abgeschlossen.
Jetzt bekommen wir vom schwedischen Parlament nochmals Geld für hundert weitere Boote. Wird etwas schwieriger und mit mehr Arbeit verbunden sein als die erste Charge. Wir müssen dann nämlich in andere Gegenden in denen wir noch kein gutes Informationsnetz haben. Und gebrauchte Boote werden auch seltener. Aber es sind eine Menge Leute denen wir damit helfen können.
Das Bibliotheksgebäude der Schule in Ban Bang Muang steht im Rohbau. Das Dach ist schon halb gedeckt. Auch die anderen Baulichkeiten gehen gut voran. In der Schule herrscht gute Stimmung. Sowohl bei den Lehrern wie auch den Schülern.
Wir haben inzwischen die Kontobücher der Waisen die wir in die Hände bekommen konnten fotografiert. Sobald wir halbwegs Zeit haben drucke ich noch die Namen der Kinder in Englisch, Ihre Datenbanknummer und den Namen des Paten in das Bild und maile es den Paten zu.
Mit den Banken liegen wir teilweise immer noch im Clinch wegen der Gebühren. Momentan streiten wir uns mit der Krung Thai weil die zwar internationale Eingänge gebührenfrei abwickeln aber für inländische Überweisungen Geld haben wollen. Kriegen wir aber sicher auch noch geregelt, kostet nur Zeit und Nerven!


Für die Fischer in Nam Kem kaufen wir immer noch Netze und Fanggerät. Machen wir immer je nach Geldeingang. Außerdem versuchen wir einer sehr aktiven Gruppe von Fischern (es sind die zwanzig Familien die wir als erste unter unsere Obhut genommen hatten) die Idee einer Kooperative schmackhaft zu machen. Mit gemeinsamer Vermarktung Ihres Fanges. Wenn die sich gemeinsam einen Pickup zulegen und ein paar Hotels und Restaurants in Phuket suchen die sie direkt beliefern dann können sie wesentlich bessere Erträge erzielen als den chinesischen Fischhändlern ihren Fang für ein Butterbrot zu verkaufen.
Des Weiteren sind wir neuerdings stärker im Hausbau engagiert. Das erste Haus für die Seezigeuner an der Sarasinbrücke in Phuket ist seit drei Wochen bezogen. Das zweite dort ist halb fertig.
In einem kleinen Weiler südlich von Tap Lamu (fast am Ende der Welt) haben wir mit dem Bau von zwei Häusern angefangen, das dritte geht Montag an den Start. Und übernächste Woche werden wir in Nam Kem mit zwei weiteren Häusern beginnen.
Wo wir Häuser für Morgans (Seezigeuner) bauen dort versuchen wir mit kleinen, sehr einfachen Lektionen die Leute an ein Minimum an Hygiene ranzuführen um ihre Gesundheitslage zu verbessern. Dazu gehört das Sauberhalten der Toiletten, Händewaschen nach Toilettenbesuch, Eingraben von menschlichen und tierischen Exkrementen, Abfall nicht ins Gelände sondern in abgedeckte Mülltonnen werfen usw. Da wir den Leuten mit dem Häuserbau ja wirklich zu einem besseren Leben verhelfen müssen sie uns auch zuhören. Und das versuchen wir auszunützen um ihnen ein paar Sachen beizubringen die ihnen später weiterhelfen.
Des weiteren fangen wir jetzt an Kinder aus sehr armen Familien (Nichtwaisen) in Schulpatenschaften zu vermitteln. Es ist für diese winzigen Gemeinden wichtig daß sie in Zukunft wenigstens ein paar Leute mit einer besseren Schulbildung haben. Wenn wir denn die finanziellen Mittel dazu auftreiben dann werden wir ein Programm mit wöchentlichem Besuch der entsprechenden Gemeinden auflegen um den Leuten Beratung und Hilfe beim Aufbau eines besseren Lebens zu geben.

Das wärs erst jmal für heute. Ich hofe daß es nicht wieder so lange dauert bis ich das nächste mal schrebe.

Herzliche Grüße
Klaus und die wieder (fast) komplette Crew