September 2005

Die Aufbauarbeiten in Khao Lak, Baan Nam Kem und der ganzen Gegend haben gewaltige Fortschritte gemacht. In Khao Lak sind etliche Hotels und Bungalowanlagen wieder in Betrieb und viele Geschäfte und Restaurants sind geöffnet. Es gibt aber auch viele Baustellen und manche Anlagen sind immer noch im Zustand wie nach dem Tsunami.

Baan Nam Kem kennt man kaum wieder. Der Ort ist so gut wie neu aus der zerstörten Erde gewachsen. Nachdem Nam Kem in den ersten Wochen nach dem Tsunami völlig vernachlässigt wurde hat die Gemeinde inzwischen die Aufmerksamkeit vieler Organisationen erlangt. Das Ortsbild wirkt jetzt etwas steril weil alles neu erstellt wurde. Aber die neuen Häuschen sind sauber und ordentlich und das normale Leben ist zurückgekehrt. Farbe kommt sicher bald wieder ins Ortsbild. Dafür werden die Tahis schon sorgen. Es macht echt Spaß zu sehen wie der Alltag bei jedem Besuch mehr zurückkehrt. Spaß macht es auch auf dem neu errichteten Tsunamischutzwall zu stehen und "unsere" Flotte vom Fischfang zurückkehren zu sehen oder die Kinder in der Schule zu besuchen und festzustellen dass das Lachen in Ihre Gesichter zurück gefunden hat.

Es gibt noch etliche Baustellen mit halbfertigen Häusern. Dort fehlt meistens das Geld zum beenden der Bauarbeiten. Und einige Problemzonen. Eine davon ist Laem Pom, ein Ortsteil Nam Kems der mit am schwersten beeinträchtigt wurde. Dort geht es nur langsam voran und wir helfen den Bewohnern mit dem Kauf von Baumaterial, Finanzierung von Strom und Wasser und Verpflegung für die dort tätigen 'Voluntäre.  Dabei unterstützen uns Bernd und Dana  vom Mühlheimer Verein Tsunamihilfe für Thailand eV. kräftig. Die beiden haben dort etliche Familienmitglieder verloren und helfen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das Leid in dem betroffenen Ortsteil zu lindern.

Wir sind laufend unterwegs in Sachen Boote für das Schwedische Parlament. Leider ist der Markt für gebrauchte Boote völlig ausgetrocknet. Jetzt müssen wir so gut wie alle Boote neu kaufen. Was den Preis in die Höhe treibt. Dafür boomt der Umsatz bei den Bootsbauern und das pumpt Geld in die lokale Wirtschaft. Gleiches gilt für die Bootsmotoren. Der Umsatz der Motorenhändler und der Schlosser die Longtail-Antriebe bauen ist der beste seit Jahren.

Netze und Fischereiausrüstung kaufen wir jetzt in großen Mengen und verteilen sie an die Fischer die Boote erhalten haben. Einen Vormittag hatten wir eine halbe LKW-Ladung mit Netzen im Garten und 25 Fischerfamilien die ihre Ausrüstung in Empfang nehmen konnten.

Einer der Netzempfänger war für Kenner der Fischereiszene eine echte Sensation. Der Mann führte uns nach Antragstellung zu seinem Boot. Es war ein 12m langer Einbaum der mit Äxten aus einem riesigen bei einem Sturm entwurzelten Baumstamm herausgehauen worden war. Der Mann fährt ohne Motor, nur mit Rudern bestückt, mit zehn bis zwölf Nachbarn vom Strand aus zum fischen. Sie legen ihre Netze gemeinsam aus und holen sie von Hand wieder ein. Der Fang wird untereinander aufgeteilt. Keine Maschine an Bord, kein modernes Gerät - Fischfang wie zu Urgroßvaters Zeiten. Aber effektiv und es ernährt immerhin ein Dutzend Familien. Diese Art des Fischfangs ist wohl mehr oder weniger im Aussterben begriffen. Und es ist zu begrüßen dass diese Fischereigemeinschaft die Tradition aufrecht erhält und ihr Wissen an Jüngere Weiter gibt.

Zu unserer Bestürzung haben wir erfahren das für die Insel Koh PeePee, die mit am schlimmsten vom Tsunami getroffen wurde kaum Hilfe geleistet wird. Kurz nach der Katastrophe war PeePee neben Khao Lak ständig in den Nachrichten. Und als wir die Insel das erste Mal besuchten waren dort jede Menge großer Organisationen präsent und auch viele private Gruppen waren gekommen um Hilfe zu leisten. So zogen wir uns zurück um unsere Hilfe in Gegenden zu leiten die weniger Aufmerksamkeit hatten. Jetzt mussten wir erfahren dass für PeePee kaum Boote gespendet wurden und die zurückgebliebenen Einwohner auch sonst nicht viel Hilfe bekommen. Ein guter Grund für uns sofort tätig zu werden. Die ersten zehn Boote für PeePee sind in Auftrag gegeben.

Bei den Recherchen erfuhren wir auch dass in einem Flüchtlingslager in Krabi in dem überlebende aus PeePee untergebracht sind ca. 160 Kleinkinder leben die für ihre Ernährung Milch brauchen. Die Provinzverwaltung liefert für diese Kinder Milch die jeweils für den halben Monat reicht! Was sich die Bürokraten von dieser Maßnahme versprechen ist für uns nicht nachvollziehbar. Fest steht dass die Kinder ohne die fehlende Milch Ernährungsprobleme haben. Also haben wir erstmal von unseren Spendengeldern Milch für den Rest des Monats gekauft. Jetzt werden wir uns an große Firmen wie Nestle, Milupa oder Hip wenden mit der Bitte die Kinder langfristig zu unterstützen.

Im gleichen Lager lebt eine Familie zu fünft in einem winzigen Raum. Der sechzehnjährige Sohn hatte vor ein paar Wochen einen Unfall. Er liegt zum Skelett abgemagert im Bett zwischen seinen Eltern und Geschwistern, kann sich nicht bewegen und hat eine Edelstahlröhre im Hals stecken durch die er atmet. Geld für Physiotherapie ist nicht vorhanden. Das ist wohl wider ein Fall für unsere Gruppe.

Von Reverend Bill Crews von der australischen Exodus Foundation wurde uns ein Scheck über 13.800 australische Dollar (ca 8.000 Euro) übergeben für die Anschaffung von Fischereiausrüstung und Computern für eine Schule in Rawai, Phuket) Außerdem schickt uns die Foundation 12 Paletten mit Spielzeug und Büchern für ein halbes Dutzend Schulen.