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5. bis 8. Januar 2005 Zurück zur
Übersicht Heute haben wir einen "tollen" Ausflug auf das Festland gemacht. Wir wollten ins Camp in dem
die Waisenkinder von Khao Lak gesammelt werden.
Erste Station war Tap Lamu - dort ist die Marinebasis von der aus ich im Oktober
immer mit den
Seeleuten in die Nationalparks fahre um das Bojensystem zu renovieren. Fast alle
Schiffe der
Marinebasis sind zerstört. Von den dort stationierten Soldaten wurden über 100 getötet. Darunter
viele meiner Freunde!
Auf dem Weg ins Camp fuhren wir notgedrungen durch Khao Lak. Auf viele Kilometer
ist alles dem
Erdboden gleichgemacht. Eingestürzte Häuser, wie Zigarettenschachteln zerdrückte
Autos,
geknickte Telefonmasten, Häuser bis in die erste Etage voller Schlamm und
Erdmassen säumen den Weg. Ich hatte
mich bis heute ja nur durch Berge von Leichen gewühlt und mit dem Elend
Verletzter zu tun oder mit Leuten die Angehörige vermißten oder alles außer Ihrem Leben verloren
hatten. Jetzt wurde
mir langsam das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen des Tsunami bewußt.
Im Camp mit den inzwischen über 200 Waisen dann eine andere Variante. Die Kinder
sind dort in
Zelten untergebracht (tagsüber recht warm). Sie sind gut mit Kleidung und Essen
versorgt und werden
von Volontären aus dem ganzen Land liebevoll betreut. Das kann natürlich ein
Elternhaus nicht
ersetzen, hilft aber schon. Das Camp ist unter Betreuung der UNICEF und anderer
Organisationen
und bestens versorgt. Hilfe von unserer Seite ist dort nicht nötig.
Bei dieser Gelegenheit wollte ich auch einem alten Kapitän von uns besuchen
der ganz in der
Nähe seinen Lebensabend verbringt, Verzeihung - verbrachte! Es handelt sich um
eine kleine
Gemeinde die in einer Flussmündung liegt und hauptsächlich vom Fischfang lebte.
Ja, die
Vergangenheitsform ist da wohl angebracht. Von der Ortschaft stehen vielleicht noch
10% der Häuser.
Und die auch nur als Ruinen. Der Rest ist ein einziges Trümmerfeld. Teilweise hat
die Welle große Fischkutter oben auf Häuser gesetzt. Von den ehemals siebentausend Einwohnern haben
knapp
zweitausend überlebt Fast allen Familien dort ist die Lebensgrundlage entzogen.
Für die Bewohner von "Baan Nam Kem" (übersetzt Ort des salzigen Wassers - jetzt
könnte es besser
Ort der salzigen Tränen heißen) scheint eine Hilfe für einen Neuanfang sowie
Patenschaften für
Familien mit nur noch erwerbsunfähigen Mitgliedern angesagt. Es sind etliche
Familien oder
Familienteile übrig geblieben bei denen der Ernährer jetzt fehlt. Dann gibt es
noch jede Menge
Erwerbsfähiger denen aber jede Möglichkeit zum Broterwerb fehlt weil sie sowohl
Heim wie auch
Arbeitsgeräte verloren haben. Mit einem kleinen Longtailboot, einem Bootsmotor,
Netzen usw.
könnte man diesen Leuten die Möglichkeit bieten wieder selbst für ihren
Unterhalt zu sorgen. Und
Baumaterial, Matratzen, Decken, Kochgeschirr und ähnliches wird in dieser
geschundenen Gemeinde
sicher auch gebraucht.
Im am schlimmsten betroffenen Viertel haben wir 20 Fischerfamilien unter unsere
Obhut genommen
die sowohl Heim wie auch Boote verloren haben. Diese Familien sind gewillt Ihr
Schicksal selbst
in die Hand zu nehmen wenn sie nur Gelegenheit dazu bekommen. Als Sprecherin
haben sie sich eine
einfache aber resolute Frau ausgesucht die ganz offensichtlich einen sehr guten
Einfluss auf die
Gruppe ausübt. Wir haben der Gruppe eine erste finanzielle Überbrückungshilfe
gegeben. In
Ermangelung von genügend Bargeld den Rest für unseren nächsten Besuch
angekündigt. Dann werden
wir auch die konkrete Hilfe zur Selbsthilfe besprechen.
Wir fahren am Montag wieder in die Gegend und werden bei der örtlichen
Schulbehörde versuchen
Waisen zu finden die man bei Überlebenden Verwandten unterbringen kann und beim
Ortsvorsteher
eruieren womit man den Leuten am besten unter die Arme greifen kann.
Wir
glauben das eine gezielte Hilfe für Kinder die man bei Verwandten unterbringen
kann sinnvoller ist als sie aus ihrer Umgebung herauszureißen und sie in ein
Waisenhaus zu stecken. Man
könnte sicher etliche Kinder bei Verwandten unterbringen die ohne finanzielle
Hilfe niemanden
aufnehmen können. Durch Übernahme der Lebenshaltungs- und Schulkosten könnten
die Kinder in
ihrer gewohnten Umgebung aufwachsen und das Waisenhaus würde ihnen erspart. Da
wir uns
entschlossen hatten unsere Aktivitäten in dieses Gebiet zu konzentrieren fingen
wir mit der
Erfassung der Daten von Waisenkindern an. Um Bürokratie zu
vermeiden werden wir versuchen Paten und betroffene Personen in persönlichen
Kontakt zu bekommen, so daß die Gelder direkt an das Opfer gehen. Der Pate
erhält auch die Anschrift seines Schützlings sowie die des Klassenlehrers. Wir
selbst werden uns um die Entwicklung der Kinder sowie ihre Fortschritte in der
Schule auf dem laufenden halten und Paten die sich vor Ort über ihre Schützlinge
informieren wollen, betreuen. Denkt bitte auch daran, daß nicht nur die
niedlichen kleinen Kinder Hilfe benötigen sondern auch größere, oder gar ganze
Familien die in Not sind.
Bitte habt Verständnis dafür daß wir nicht täglich updaten können. Wir vermelden
immer nur die
Fahrten zum Zentrum der Zerstörung oder neue Erkenntnisse. Die Tage an denen
nichts berichtet
werden sind voll mit unspektakulärer aber notwendiger Kleinarbeit.
Datenerfassung und
-bereinigung, Besorgen von finanziellen Mitteln, Treffen und
Erfahrungsaustausch mit anderen
Hilfsgruppen, Besorgen von Holz, Kleinmaterial und Handwerkern für
Bootsreparaturen, Kauf von
Bootsmotoren und Fanggerät, Inspektion von gebrauchten Booten (für den gleichen
Betrag den ein
neues Boot kostet kann man zwei gebrauchte kaufen), Besuch betreuter Familien
usw. Zurück zur
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